Raizal Creole ist eine karibische Kreolsprache,
die vor allem auf den Inseln San Andrés und Providencia gesprochen wird.
Die Sprache entstand im Kontext des transatlantischen Sklavenhandels. An ihrer Entstehung sind westafrikanische Sprachen, das Englische, karibische Sprachen, und nautischer Jargon beteiligt.
Texte
Hier stellen wir einige Texte im Raizal vor. Sie stammen von Ruby Jay Pang Somerson, die sie auch für uns eingesprochen und übersetzt hat.
Bada Anansi an Bada Jakaas an di Taigadem: Bruder Anansi, Bruder Esel und die Tiger
Diese traditionelle Erzählung handelt von Anansi Spinne, einer Trickster-Figur, die in verschiedenen Kulturen Westafrikas eine zentrale Rolle spielt, und auch in den karibischen Inseln sehr verbreitet ist.
Fi di Yoruba Pongkin: An den Yoruba-Kürbis
Dieses Gedicht reflektiert über die kulturellen, kulinarischen, und sprachlichen Bezüge des Raizal zu westafrikanischen Kulturen wie der der Yoruba.
Fi yo grong man: Für dich, Bauer
Gedicht
Sutar an rien fal fi Prabidens: Sterne und Regen für Providencia
Gedicht
Etymologische Ursprünge
Als Kreolsprache bezieht das Raizal einen
Großteil seines Lexikons aus dem Englischen, der ehemaligen Kolonialsprache auf
der Insel San Andrés.
Dennoch finden sich auch zahlreiche sogenannte
Afrikanismen, weshalb die Sprache in der Forschung auch als Kreol mit
westafrikanischem Substrat definiert wird (Bartens, 2011).
Die hier vorliegende Karte visualisiert die
Etymologie von knapp 100 Afrikanismen im Raizal und veranschaulicht die
relative Verteilung einzelner Herkunftssprachen sowie Sprachfamilien. Die
zugrundeliegenden Afrikanismen stammen aus der Grammatik des Raizal von
Angela Bartens (2003) - es handelt sich dabei um insgesamt 83 Lexeme und 12
Lehnübersetzungen.
Dieser Datensatz wurden hinsichtlich folgender
Parameter kategorisiert: Bedeutung, Herkunftsprache und Kognate, Typ
(Lexeme vs. Lehnübersetzung), semantische Domäne (bei Lexemen).
Die folgenden Beispiele veranschaulichen diese
Kategorisierung:
nyam → to eat
Wolof njam, Bilkire Fulani njama, Sereer njam
Lexem der Domäne food and drink
anansi → spider
Twi anānse, Ewe anānse
Lexem der Domäne beliefs and folklore (Anansi gilt in weiten Teilen Westafrikas als
mythische, religiöse Figur)
doormouth → entrance
Yoruba iloro neu, Igbo onu uzo, Ibibo ínúa, Nupe-Nupe-Tako eko misun, Hausa baki, Ewe xɔ nu, Vai kenda'a, Mbay tà-bíte
Lehnübersetzung
Ziel war es, die von Bartens erhobenen Daten unter Zuhilfenahme der Statistiksoftware R mit aktuellen Datensätzen aus Glottolog zu verbinden. Aus diesem Datenzusammenschluss entstand eine dynamische Karte, die anhand der von Glottolog bereitgestellten geographischen Koordinaten einzelner Sprachen veranschaulicht, in welchen Regionen (West-)Afrikas diese Afrikanismen zu verorten sind, welche Sprachen wie häufig als lexifier, also als lexikalische Quelle, gedient haben und welche Sprachfamilien dabei eine besonders wichtige Rolle spielen.
Quellen
Bartens, A. (2003). A contrastive grammar Islander - Caribbean standard - English -
Spanish. Suomalaisen Tiedeakatemian toimituksia: Humaniora. Helsinki:
Acad. Scientiarum Fennica.
Bartens, A. (2011). Substrate features in Nicaraguan, Providence and Raizal Englishes. A comparison with Twi. In C. Lefebvre (Ed.), Creoles, their substrates, and language typology (pp. 201–224). John Benjamins. http://ebookcentral.proquest.com/lib/ulbd/detail.action?docID=669005